Das Fest der Vogelhochzeit, das sich auf eine sorbische Tiersage bezieht, wird am 25. Januar begangen.

Bereits im 16. Jahrhundert wurde die Vogelhochzeit gefeiert. Der Sage nach haben sich am 25. Januar Elster und Rabe unter Beteiligung eines großen Gefolges von Vögeln vermählt. Im 19 Jahrhundert breitete sich das Fest auf deutschsprachige Dörfer aus. Die germanischen und slawischen Vorfahren glaubten, dass nach dem Tode die Seele eines Menschen in den Körper eines Vogels schlüpft. Dieser Sinngehalt des Volksglaubens ist im Laufe der Jahre allmählich verloren gegangen.

Heute stellen die Kinder am Abend vorher einen Teller aufs Fenster und finden am Morgen Süßes vor. Die Bäcker haben sich darauf mit speziellen Backwaren eingestellt. Nester und Vögel aus süßem Teig und Schmätzelteig sind im Angebot.

In den Kindereinrichtungen wird dieser Tag kostümiert begangen und der Inhalt des nachfolgenden Liedes gespielt. Als erwählte Braut oder Bräutigam sind die Kleinen ganz besonders stolz. Die Kinder verbinden die Naschereien des Tages mit einem Dankeschön der Vögel für die Fütterung in den kalten Wintermonaten.

Vögel


 

Lied

Das Lied von der Vogelhochzeit ist allgemein bekannt. In unserer Region wird damit der erwähnte Brauch verbunden.

 

Noten Noten Noten

Ein Vogel wollte Hochzeit machen in dem grünen Walde.
Fidirallala, fidirallala, fidirallalalala.

Dei Drossel war der Bräutigam, die Amsel war die Braute.
Fidirallala ...

Die Lerche, die Lerche, die führt die Braut zur Kerche.
Fidirallala ...

Der Auerhahn, der Auerhahn, derselbig war der Kappellan.
Fidirallala ...

Die Meise, die Meise, die sang das Kyrieleise.
Fidirallala ...

Die Gänse und die Anten, das war'n die Musikanten.
Fidirallala ...

Der Pfau mit seinem bunten Schwanz macht mit der Braut den ersten Tanz.
Fidirallala ...

Der Kibitz, der Kibitz, der macht dabei den schönsten Witz.
Fidirallala ...

Der Seidenschwanz, der Seidenschwanz, der sang das Lied vom Jungfernkranz.
Fidirallala ...

Die Puten, die Puten, die machten breite Schnuten.
Fidirallala ...

Brautmutter war die Eule, nahm Abschied mit Geheule.
Fidirallala ...

Das Finkelein, das Finkelein, das führt das Paar zur Kamm'r hinein.
Fidirallala ...

Der Uhu, der Uhu, der macht die Fensterladen zu.
Fidirallala ...

Der lange Specht, der lange Specht, der macht der Braut das Bett zurecht.
Fidirallala ...

Die Fledermaus, die Fledermaus, die zieht der Braut die Strümpfe aus.
Fidirallala ...

Frau Kratzefuß, Frau Kratzefuß gibt allen einen Abschiedskuss.
Fidirallala ...

Der Hahn, der krähet: "Gute Nacht!" Nun wird die Kammer zugemacht.
Fidirallala ...

Noten Noten Noten

Ich kenne u. a. noch den Abschluss:

Nun ist die Vogelhochzeit aus und alle geh'n vergnügt nach Haus'.
Fidirallala ...

Lied

BuchDen Text der einzelnen Strophen sowie die Erklärung habe ich dem Buch "Deutsche Volkslieder" Singstimme und Gitarre vom Verlag NEUE MUSIK BERLIN entnommen.


Wort und Weise:
Volkslied, seine Wurzeln reichen bis zum Jahr 1530 zurück. In der Lautentabulatur Hainhofers (1604) ist es mit 40 Strophen enthalten. Die vorliegende Fassung stammt aus der Gegend von Bunzlau und Hainau.